18 Und woher kommt’s?

Wir sind online, wir sind mobil, wir wollen immer mehr. Laptops und Handys ermöglichen uns, auch auf dem Klo, in der U-Bahn oder auf dem Kölner Dom im Internet zu surfen. Dass nicht alles daran rosig ist, verdeutlichen ein paar Zahlen.

von Theresa Zimmermann

Die Digitalisierung beeinflusst unser gesellschaftliches Zusammenleben stark und hat – da vermag kaum jemand widersprechen – viele erhellende Seiten: wir kommunizieren mit unseren Lieben, erfahren was am anderen Ende der Welt passiert und können sogar am politischen Geschehen teilhaben. Im Handyvertrag ist eine Internetflatrate dabei und das neuste Smartphone gibt es gratis dazu. Unterwegs gucken wir schnell, welcher Film am Abend im Kino läuft und wenn uns das Programm nicht überzeugt, laden wir später einfach einen runter.

Ich mag wie eine Spielverderberin wirken, aber richten wir unseren Blick doch mal hinter die Kulissen der Elektronikindustrie – wenigstens für die nächsten zwei Leseminuten:

Im Jahr 2007 wurden weltweit eine Milliarde Mobiltelefone verkauft. Allein die Deutschen erstanden im Jahr 2010 knapp acht Millionen Smartphones, das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen sieben Millionen Notebooks und Tablet PCs. Damit ist die Zahl der verkauften Laptops im privaten Sektor innerhalb von fünf Jahren um das Drei- bis Vierfache gestiegen.

Viel Seltenes auf einem Fleck

Obwohl Computer tendenziell kleiner werden, brauchen sie in der Herstellung immer noch zehn Mal des Eigengewichts an Chemikalien und anderen giftigen Stoffen. Ein Notebook besteht aus ungefähr 1.800 bis 2.000 verschiedenen Teilen und diese enthalten wiederum etwa 60 verschiedene Elemente.

Viele davon sind giftig und kommen selten vor. Aus dem Roherz Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, welches in der Mikroelektronik für die Produktion von kleinen Kondensatoren verwendet wird. Ungefähr 50-80 Prozent der weltweiten Coltanvorkommen lagern in der Demokratischen Republik Kongo, wo 30 Prozent der Arbeitenden Kinder und Jugendliche sind.

Auch Kobalt wird hauptsächlich aus dem Kongo geliefert. In den Lithiumionenbatterien der Notebooks verbergen sich 460.000 Kilogramm von diesem seltenen Element. Es kommt beispielsweise in Batterien zum Einsatz. Nach Schätzungen arbeiten im Kongo etwa 50.000 Kinder in Kobaltminen, wo sie als Folge unter Atemwegserkrankungen, Augenirritationen und Krebsgeschwüren leiden. Andere Stoffe wie Kupfer werden häufig aus Elektronikschrott gewonnen, wobei alte Kabel verbrannt werden. Die giftigen Dämpfe können die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems beeinträchtigen.

Alle fünf Jahre ein neues Notebook

Ein Bruchtreil der ausgedienten Elektronikgeräte wird fachgerecht entsorgt und recycled.Foto: Sean MacEntee/smemon/flickr (CC BY 2.0/http://www.flickr.com/photos/smemon/5918067297/in/set-72157627028302867

Ein Notebook lebt im Schnitt 5,6 Jahre. Nach Schätzungen des Ökoinstituts werden nur etwa 50 Prozent der produzierten Ware wieder eingesammelt und recycled oder fachgerecht entsorgt. Die Zahl im Bezug auf Handys ist erschreckender. Nur fünf Prozent der 2.273 Tonnen kaputten Handys werden eingesammelt und kontrollierten Recyclingprozessen zugeführt.

Insgesamt fallen weltweit etwa 40 Millionen Tonnen Elektroschrott pro Jahr an. Vierzig Millionen Tonnen, das ist etwa so viel wie vierzig Millionen PKWs. Ein Großteil davon entsorgen die Industrienationen in Afrika und Asien. Allein in den Ländern Senegal und Uganda wird die Menge an Elektroschrott von Computern bis zum Jahr 2020 auf das Vier- bis Achtfache steigen. Im Jahr 1992 ist die Basler Konvention über die Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung in Kraft getreten. Die USA sind das einzige entwickelte Land, welches die Ratifizierung bislang verweigert hat – vermutlich sehr bewusst, denn das Land exportiert ungefähr 80 Prozent seines Elektronikschrotts.

Es gäbe noch viel zur Verseuchung von Wasser und Boden durch die Herstellung oder den Energieverbrauch des Internets zu sagen, aber ein Blick auf die Uhr verrät: die zwei Minuten sind um.

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