14 Lernen in der Edgeryders community

Gemeinschaft und Gesetzentwürfe. Nadia El-Imam von Edgeryders zeigt die Stärken einer Partizipationsplattform.

von Annika Willers

Junge Europäer können gemeinsam online über Beiträge diskutieren, die ihre Altersgenossen über das Leben zwischen Brüssel, Erasmus und Heimatstadt verfasst haben. Möglich ist das auf der Partizpations-Plattform Edgeryders. Sie wurde als gemeinsames Projekt des Council of Europe und der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Die Funktion war zunächst beratend, um einen Gesetzentwurf auf EU-Ebene zu unterstützen. Als weiteres Ziel galt aber, die Möglichkeiten des Internets zur Open Collaboration zu nutzen und einen Diskurs zwischen jungen Europäern zu fördern.

Nadia El-Imam hat das Projekt als Direktorin zum Leben erweckt. Im Interview (hier in einer Übersetzung aus dem Englischen) spricht sie über die Faszination von Online-Plattformen und wie sie sinnvoll zu betreuen sind. Nadia El-Imam tritt als Privatperson auf und repräsentiert nicht die offizielle Sichtweise des Council of Europe.

 

Nadia El-Imam, Direktorin des Edgeryders Projekts für den Council of Europe (Foto: privat)

Welcher Teil des Projekts gefällt Ihnen am besten?

EL-IMAM: Das zufriedenstellendste Ergebnis für mich ist neben den Gesetzesvorschlägen – die auch gut sind – die tatsächliche Gemeinschaft, die wir erzielt haben. Die Beteiligungsplattform ist ein Ort des peer-to-peer learning, des voneinander-lernen und füreinander-sorgen. Der Ort ist freundlich und fruchtbar, die Leute gehen grosszügig mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen um. Ausserdem ist es ein lebendes Beispiel dafür, wieviel Wissen, Weisheit und Erfahrung von Leuten kommt, die sich eher selten an traditionellen oder formalisierten Orten der politischen Partizipation einbringen würden.

Sehen Sie einen Lerneffekt für diejenigen Menschen, die es nicht gewohnt sind, sich in Beteiligungsplattformen einzubringen?

EL-IMAM: Es gibt verschiedene Ebenen der Beteiligung. Du kannst einfach nur lesen und dich an der Erfahrung anderer beteiligen; und anderer Leute Reaktionen darauf. Dies ist bereits eine Form der Beteiligung, du bist Teil des Dialogs. Du kannst aber auch selber kommentieren, was mitterweile ziemlich etabliert ist. Und dazu wirst du auch aufgefordert. Wir hatten bis vor kurzem Beteiligungsmanager, die jede Person begrüssen und nach Interessen befragen. Sie helfen auf den Weg in die richtige Richtung und erklären ein wenig wie das Prinzip funktioniert. Um ehrlich zu sein, weiß ich jedoch nicht, ob es einen Lerneffekt gibt. Ich habe schon Leute aus sich rauskommen sehen. Ich glaube, dass das Schreiben an sich einen Lerneffekt hat. Vielleicht hilft es sogar dabei, dein vorhergegangenes Lernen zu synthetisieren.

Welche Art von Moderation wird gebraucht? Stimulation, wie angesprochen, Regulierung, vielleicht sogar Zensur?

EL-IMAM: Stimulation ist nicht der richtige Begriff. Wenn man an einen neuen Ort kommt, ist es einfach schön, willkommen geheißen zu werden. Aber wir zensieren nichts und niemanden. Das einzige was wir bisher entfernen mussten, war Spam. Unsere Anwesendheit kann eine Art Moderation sein. Es ist ein lebendiger Ort, wie ein richtiger Ort, an dem wir eben auch sind. Aber weder zensieren, noch kontrollieren wir, was geposted wird. Jedoch ist deutlich, dass es sich um einen öffentlichen Ort handelt. Und genauso, dass die Erwartungen ziemlich hoch sind. Genau das lockt viele Leute an. Es ist ein Ort, von dem man weiß, dass er zum Sinn machen gebraucht wird. Es macht keinen Sinn, seine Katzenfotos hier zu posten. Das macht auch keiner. Leute sind da, weil sie interessiert sind, besorgt, oder weil sie versuchen, mit gewissen Herausforderungen klar zu kommen und einen Weg nach vorne zu finden.

Inwiefern gibt es Probleme oder Herausforderungen bezogen auf die Software, die Sie benutzen, und inwiefern öffnet die Technologie den Prozess?

EL-IMAM: Zunächst halte ich es für sinnvoll, die Möglichkeiten mit denen zu vergleichen, die es zuvor gab. Welche Möglichkeiten hatte man direkt mit jemandem weit entfernt von Europa zu interagieren und von ihm zu lernen, solange man sich das entsprechende Flugticket nicht leisten konnte? Die Technologie bietet mehr Möglichkeiten, aber sie ist nicht perfekt. Es geht hierbei um zwischenmenschliche Interaktionen, die mediiert werden, und wir sind das Medium, die Schnittstelle. Aber man muss ständig nachbessern, wenn man versucht Orte der Interaktion aufzubauen. Es ist noch sehr früh, denke ich.

Was ist Ihr persönliches Ziel, wenn Sie Technologie implementieren?

EL-IMAM: Ich möchte erforschen, wie das Erscheinen neuer Technologien uns neue Formen ermöglicht, wie wir leben, unsere Arbeit und unsere Lernprozesse organisieren. Technologien an sich sind nicht die treibende Kraft. Sie erlauben uns zu tun, was wir immer schon tun wollten oder was wir schon immer getan haben, aber auf eine andere Art und in einem anderen Ausmaβ.

Wer in Ihren Augen ist der digitale Bürger?

EL-IMAM: Ich glaube, dass das Wort Bürger verschiedene Interpretationen zulässt. Bürgertum impliziert eine Zugehörigkeit zu einer Einheit, die von jemand anderem bestimmt wurde. Die Grenze kann, muss aber nicht, mit dem übereinstimmen, wo ich mich selbst in der Welt sehe. Digitales Bürgertum beinhaltet, dass man aktiv ist, unsere gemeinsame Zukunft mitbestimmt und dabei die zur Verfügung stehenden Mittel angemessen nutzt. Ob diese Mittel dann digital sind, oder nicht.

Vielen Dank!

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