4 Die Geekettes-Generation

Sie hacken, programmieren oder gründen Start-Ups: Immer mehr Frauen gestalten die digitale Szene mit. Es sind noch zu wenige, oft bleiben sie unsichtbar – doch eine neue Generation macht sich auf den Weg in die männlich dominierte Netz- und Technikwelt.

von Sonja Peteranderl, Sabine Mohamed, Juliane Traeber

Als eine der wenigen Frauen in der New Yorker Start-Up-Szene wurde Jess Erickson mit sexistischen Sprüchen konfrontiert: “Frauen verstehen Technik nicht”, hörte sie oft. Gründer sagten, dass sie keine Programmiererinnen anstellen könnten – weil das die anderen Mitarbeiter nur ablenken würde. Sexismus und Technik scheinen eng verwoben, wenn es darum geht, dass Frauen Platz in dieser Sphäre einnehmen.

 

Frauen nutzen das Internet zwar inzwischen fast so intensiv wie Männer, betreiben Blogs, twittern, nutzen Laptop oder Smartphone als Alltagsgegenstand. Sie gründen aber seltener eigene Unternehmen im IT-Bereich. Es gibt wenige Bloggerinnen, die in der Blogosphäre, insbesondere in Bereichen wie Technik, Netzgeschehen oder Politik als Meinungsmacherinnen wahrgenommen werden. Und auch offline sind Podien bei Veranstaltungen der digitalen Szene vor allem mit Männern besetzt – weil viele Frauen, die in der Netzwelt aktiv sind, sich nicht aufs Podium wagen, ihnen die Selbstdarstellung nicht so wichtig erscheint oder sie einfach übersehen werden.

 

Sichtbarkeit, dass sei der Schlüssel, findet Nicole Simon, Unternehmensberaterin, Publizistin und Internetexpertin. “Frauen sind nicht sichtbar genug”. Sie haben oftmals kein Profil, keine Internetseite, kein Bild von sich im Netz und zögern bei Anfragen für Veranstaltungen oder Interviews, bewerben sich seltener initiativ. Selbst Frauen, die erfolgreich sind, kennen Selbstzweifel, wenn die Kollegen ihre Arbeit nicht anerkennen oder Kompetenzen in Frage stellen. Frauen müssten besser sein als ihre Kollegen, sagt Jess Erickson.

 

Den Widerständen zum Trotz macht sich eine Generation junger technikbegeisterter Frauen auf den Weg in die männlich dominierte Netz- und Technikwelt. Sie wollen teilhaben, lassen sich nicht abwimmeln und verschaffen Frauen in der Netzwelt auch als Mentorinnen und Sprecherinnen bei Veranstaltungen mehr Präsenz.

 

In der jungen digitalen Szene sind in den vergangenen Jahren neue Netzwerke von Frauen entstanden, die bloggen, programmieren, hacken, Start-Ups gründen – wie die “Berlin Geekettes”, die “Girls on Web Society”, die “Femgeeks”, das “Girl Geek Dinner” oder die “Girls on Rails Berlin”. Sie sind Teil einer Generation, die das Netz mitgestalten, ihre Stimme erheben, und machen sich auf die Suche nach neuen privaten, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten, die Internet und Technik ihnen bieten können.

 

Fünf Frauen – fünf Fragen

Eine Netzwerkerin, eine Social Media Beraterin, eine Programmiererin und eine Managerin erzählen im Interview von ihrem Weg, von Herausforderungen und Klischees, denen sie begegnen. Wo sie ansetzen, um die Frauenquote in Netz und im IT-Bereich zu erhöhen – und was Frauen tun sollten, um erfolgreicher zu sein.

Jess Erickson berät Start-Ups, wie sie sich ins Gespräch und in die Medien bringen können, und hat Berlin Geekettes gegründet – ein Netzwerk für Gründerinnen aus der Tech- und Internetbranche. “Sei einfach du selbst”, sagt Jess Erickson.

Und hier die Audiodatei mit dem Interview mit Jess

HTML, Ruby on Rails, Source Code: Als Mitgründerin von Girls on Rails Berlin organisiert Anika Lindtner Programmierworkshops für Frauen – um die Männerdomäne IT zu sprengen.

Und hier die Audiodatei zum Interview mit Anika Lindtner

Die Managerin Caroline Drucker leitet Etsy Deutschland, eine eCommerce-Plattform für Selbstgemachtes und Vintage-Produkte.

Und hier die Audiodatei zum Interview mit Caroline Drucker

Nicole Simon ist IT-Expertin und Social Media Beraterin – zum Themenbereich “Frauen und Netz” sitzt sie bei Veranstaltungen auch oft auf dem Podium.

Und hier die Audiodatei zum Interview mit Nicole Simon

Joelle Katz ist ganz frisch in Berlin. Sie war Produktmanagerin in Washington D.C. und ist Kennerin was Technik und   Managementführung betrifft.

Und hier die Audiodatei zum Interview mit Joelle Katz

Warum findet sich heute noch immer die Zurückhaltung von Frauen in der Technik/Internetwelt? Ist es mangelndes Selbstbewusstsein, die Verteidigung der Männer ihrer Stellung (Platzhirschverhalten) in der Szene, oder sind es die Gewohnheiten in der Gesellschaft, die Männern immer noch unbewusst ein besseres Technikverständnis zuschreibt? Diskutieren Sie auf www.digitalbuerger.de

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