16 Das weibliche Wissen der Wikipedia

Aktuelle Studien zeigen eine drastische Kluft zwischen den Geschlechtern in der Wikipedia. Allein neun Prozent der “Wikipedianer” sind Frauen. Das soll sich ändern.

von Juliane Traeber

 

Anlässlich der Social Media Week 2012 in Berlin hielt Julia Kloppenburg von Wikimedia e.V. Deutschland einen Vortrag zum Thema „Frauen in Wikipedia“. Umfragen unter den Nutzerinnen ergaben eine Vielzahl von Gründen für ihr Fehlen. Ein großer Faktor sei die Zeit. Viele haben einfach nicht die Zeit, sich aktiv in der Wikipedia einzubringen und Artikel zu verfassen. Klar, auch einige Besucherinnen bestätigen das, ein Komma zu ergänzen oder einen Schreibfehler wettzumachen, das ginge vielen leicht von der Hand. Jedoch besteht ein guter Eintrag in der Enzyklopädie im seltensten Fall aus zwei Sätzen.

 

Und auch werde häufig, wie Julia Kloppenburg anführt, die Syntax der Wikipedia als schwierig eingestuft. Viele Userinnen besäßen nicht die wenigen, aber notwendigen HTML–Grundkenntnisse zum Erstellen von Beiträgen. Mehr Zeit kann die Wikipedia ihren Nutzerinnen nicht schenken. Allerdings wird derzeit an einer einfacheren Benutzeroberfläche, dem „Visual Surface“ gearbeitet. Damit soll die Lust auf das Verfassen von Beiträgen angeregt werden. Sehr interessant war der Aspekt, dass Frauen bei der Mitarbeit an der Wikipedia einen Mangel an sozialem Anschluss befürchten. Ein Blick in die Community kann dies nicht bestätigen. Überall in der Bundesrepublik finden regelmäßig Stammtische der freiwilligen Mitarbeiter_innnen statt. Doch gerade in der Community liegt ein weiterer Grund, welcher womöglich zu der niedrigen Zahl Autorinnen führt. Nämlich der Vorwurf sexistischer Äußerungen gegenüber den weiblichen Mitgliedern. Julia Kloppenburg räumt ein, dass auf den Diskussionsseiten der Wikipedia eine grobe Gesprächskultur herrsche, welche immer wieder bemängelt werde. Erst im August hatte eine Autorin der deutschen Wikipedia, Fiona Baine ihre aktive Rolle als Verfasserin von Beiträgen aufgegeben, da sie von männlichen Mitgliedern der Enzyklopädie gemobbt wurde.

Die berechtigte Nachfrage einer Hörerin des Vortrages, ob eine Moderation des Wikipedia – Forums stattfinden könne, um solchen Vorfällen entgegenzuwirken, wurde von den anwesenden Mitgliedern des Wikimedia – Vereins verneint. Es liege viel daran, sich nicht in die Diskussionen der Community einzumischen oder Stellung zu beziehen. Es werden für das nächste Jahr jedoch spezielle Schulungen der Administratoren angestrebt, um die Gesprächskultur zu verbessern. Man vertraue auf „differenziertes, selbstreflektiertes Kommunikationsverhalten“ der User_innen, sagte Kloppenburg.

Sollten Initiativen dieser Art nicht einen offenen Raum für alle Interessierten darstellen? Inwieweit sollte eine Kontrolle der freiwilligen Mitarbeiter stattfinden, um z.Bsp. Cybermobbing zu verhindern? Diskutieren Sie mit auf www.digitalbuerger.de

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