9 Ein Strom-Netzwerk für Kamerun

Stromausfälle gibt es in der Kameruner Provinzhauptstadt Douala häufig. Erfasst sind sie bislang schlecht. Mit der Internetplattform Feowl will das Nicolas Kayser-Bril ändern: hier sollen freiwillige Bürger_innen in Kürze per SMS über aktuelle Stromausfälle informieren.

von Theresa Zimmermann

Wenn einer seine Meinung kundtut, interessiert das kaum jemanden. Wenn es aber viele machen, wird es interessant. Das Wissen und die Erfahrung der Bevölkerung zu sammeln und zu nutzen wird zum Trend. Immer mehr Unternehmen setzen auf das sogenannte Crowdsourcing, um Innovationen voranzutreiben oder kleine Aufgaben von vielen Akteur_innen interaktiv bearbeiten zu lassen. Der Begriff Crowdsourcing wurde 2006 von Jeff Howe erschaffen – als Zusammenführung der Wörter “crowd” und “outsourcing”. Er beschreibt nicht nur die Auslagerung von Arbeitsprozessen an die Internetnutzer_innen, sondern auch den Austausch von Wissen und Ideen.

Auch Nicolas Kayser-Bril will Crowdsourcing einsetzen. Der selbsterklärte Nerd hat im Jahr 2011 zusammen mit seinem Kollegen Pierre Romera das Portal Journalismus++ gegründet, mit der sie Datenjournalismus-Projekte durchführen. Als neues Projekt entwickeln sie derzeit die Crowdsourcing-Plattform Feowl. Gemeinsam mit Bürger_innen aus Douala, einer Provinzhauptstadt in Kamerun, möchten sie Daten zu Stromausfällen zusammentragen und veröffentlichen. Die erfassten Häufigkeiten und die Dauer der Stromausfälle können dann von Journalist_innen und Aktivist_innen als Druckmittel gegenüber Energiekonzernen und der Regierung eingesetzt werden.

Energiekontrolle per SMS

Konkret stellt sich das Nicolas Kayser-Bril so vor: Einige freiwillige Bürger_innen registrieren sich bei Feowl. Diese erhalten in regelmäßigen Intervallen eine SMS mit gezielten Fragen, beispielsweise über die Uhrzeit und Dauer der letzten stromfreien Zeit. Die Freiwilligen senden daraufhin eine Textnachricht mit ihrer Antwort zurück. Die Informationen werden dann auf der Plattform Feowl gebündelt, strukturiert und veröffentlicht. So entsteht nach und nach ein Bild über die Lücken der Stromversorgung der Kameruner Stadt.

Den Vorteil dieser Art von Datenerhebung sieht Nicolas Kayser-Bril vor allem darin, dass sie schnell, günstig und verhältnismäßig verlässlich ist. “Früher mussten die Daten vor Ort erhoben werden. Inzwischen hat fast jeder ein GSM Handy”, so der Datenbegeisterte. Nach und nach kann die Gruppe der freiwilligen Informant_innen vergrößert werden, um den Pool der Daten zu erhöhen.

Da die Nutzer_innen registriert sind, ist zudem zu erkennen, aus welchen Stadtvierteln welche Meldungen kommen. Herausforderungen bestehen darin, eine kritische Masse an Beteiligten zu erreichen und diese dauerhaft für das Projekt zu begeistern. “Es ist sehr schwer, Menschen vom Mitmachen zu überzeugen, denn man fragt sie nach Zeit. Und Zeit ist wertvoll” erklärt Kayser-Bril. Damit wenigstens keine Kosten für das Versenden der SMS entsteht, werden immer wieder neue Frei-Kontingente freigeschaltet. Die Fragen werden möglichst einfach formuliert, sodass sich alle Bürger_innen einbringen können.

Nicolas Kayser-Bril schwebt zunächst keine kommerzielle Nutzung der gesammelten Daten vor. Stattdessen sollen sie frei verfügbar sein und von jedem genutzt werden können. Wie sich das Projekt entwickelt kann ab Oktober 2012 auf der Website www.feowl.com nachgelesen werden. Wenn alles gut läuft, könnte sich Nicolas Kayer-Bril auch vorstellen, das Projekt auf andere Sektoren wie Wasserverfügbarkeit auszuweiten.

Im Videointerview äußert sich der junge Franzose zu den Chancen und Problemen von Crowdsourcing-Projekten.

In welchen Bereichen macht es noch Sinn, Crowdsourcing einzusetzen, also Innovationspotenzial und direkte Erfahrungswerte vonseiten der Bevölkerung zu nutzen, um soziale, gesellschaftliche oder politische Initiativen voranzutreiben? Diskutieren Sie mit auf www.digitalbuerger.de

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